Interview mit Rechtsanwalt Uwe Wagner aus dem Jahr 2007

Irrtümer mit fatalen Folgen

Rechtsanwalt Uwe Wagner

Warum ist ein Irrtum im Erbrecht besonders fatal?

Verfasst ein Erblasser sein Testament in Unkenntnis der geltenden Rechtslage kann das nach seinem Ableben folgenschwere Auswirkungen haben. Oft kommt es zum Streit in der Familie sowie zu langwierigen und teuren Rechtstreitigkeiten.
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Was sind die schwerwiegendsten Irrtümer?

Ein weit verbreiteter Irrtum ist beispielsweise, dass Geschwister pflichtteilsberechtigt sind.
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Wer ist außerdem nicht pflichtteilsberechtigt?

Nicht pflichtteilsberechtigt sind neben den bereits genannten Geschwistern entferntere Verwandte wie Onkel, Tanten, Neffen und Nichten.
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Und wer hat einen Anspruch auf das Pflichtteil?

Nach Paragraf 2303 Bürgerliches Gesetzbuch bekommt den Pflichtteil ein Abkömmling des Erblassers, der durch Verfügung von Todes wegen von der Erbfolge ausgeschlossen ist. Das gleiche Recht steht auch den Eltern und dem Ehegatten des Erblassers zu. Mit anderen Worten: pflichtteilsberechtigt sind nur die Eltern des Erblassers, die Abkömmlinge des Erblassers und der Ehegatte des Erblassers. Das aber nur dann, wenn sie durch eine Verfügung des Erblassers von Todes wegen von der Erbfolge ausgeschlossen worden sind.
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Wie verhält es sich mit der gesetzlichen Erbfolge?

Wenn kein Testament existiert, tritt automatisch die gesetzliche Erbfolge ein. Das heißt, der Ehepartner und die Abkömmlinge des Erblassers erben zu je einhalb. Sind keine Kinder da, erben die Eltern des Erblassers neben dessen Ehepartner. Hat der Erblasser keine Kinder und sind seine Eltern bereits verstorben, erbt nur der Ehepartner.
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Fehler werden auch immer wieder beim Verfassen des letzten Willens gemacht. Wann ist ein handschriftliches Testament auch wirklich eines?

Wer meint, ein handschriftliches Testament auf dem Computer schreiben zu können, irrt sich. Handschriftlich ist in diesem Fall wörtlich zu nehmen. Nur die Unterschrift am Ende reicht nicht aus.
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Wo lauern noch Irrtümer?

Viel Unklarheit herrscht auch darüber, ob ein zu DDR-Zeiten errichtetes Testament noch Gültigkeit hat, ob der verwitwete Ehegatte bei Wiederverheiratung an das frühere Testament gebunden ist, wer Anspruch auf die Lebensversicherung des Erblassers hat und warum jeder Erwachsene eine Vorsorgevollmacht errichten sollte.
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Studien belegen immer wieder, dass sich die Bürger schwer tun, über den eigenen Tod und damit verbundene Nachlassregelungen nachzudenken.

Der Generalirrtum ist wohl, dass einen der eigene Erbfall nicht betrifft. Die Antwort auf die Frage „Was wäre wenn" wird leider meist weit weg geschoben. Nach einer Umfrage durch ein deutsches Marktforschungsinstitut vom August vorigen Jahres haben 76 Prozent der Bevölkerung ihren Nachlass nicht geregelt. Selbst unter den 60- bis 69-jährigen ist jeder zweite bislang untätig geblieben. Das ist eine ganz erschreckende Bilanz. Viele Bürger mit Grundbesitz beispielsweise haben wertvolle Jahre verstreichen lassen, da sie zu Lebzeiten ihre engen Angehörigen nicht alle zehn Jahre von den noch geltenden umfangreichen Steuerbefreiungen haben profitieren lassen. Das heißt, man sollte rechtzeitig darüber nachdenken, ob man bereits zu Lebzeiten Grundbesitz steuerfrei den Kindern überträgt und dies nicht, alles dem Erbfall überlässt.
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Was soll mit den Erbrechtstagen erreicht werden?

Ziel der Veranstaltung ist es, derartige Irrtümer und Unkenntnis zu beseitigen und jeweils am Beispiel zu erläutern, wie man es richtig macht. Die Vorträge der Vizepräsidentin des Deutschen Forums für Erbrecht e. V. München, Frau Dr. Trilsch aus Dresden sowie von den Geraer Mitglieder des Forums, Frau Notarin Margita Oehler und von mir sowie die anschließende Diskussion sollen Tipps und Ratschläge zur gesetzlichen Erbfolge, zu den Möglichkeiten der Testamentsgestaltung, zum Pflichtteil, zu Vorsorgevollmachten und allen damit verbundenen Tücken geben.
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Gespräch: Heike Schütze
Der 7. Geraer Erbrechtstag findet am 17. April um 15 Uhr in der Showbühne des Möbelhauses Rieger statt. Der Eintritt ist frei.