Interview mit Frau Notarin Oehler aus dem Jahr 2001

Notarin Margita Oehler
Gera. Vorträge und Diskussionsrunden zum Thema "Vererben mit Sinn und Verstand" lockten am Mittwoch rund 500 interessierte Bürger zum 1. Erbrechtstag nach Gera. Nur knapp 300 fanden im restlos überfüllten Saal der IHK Ostthüringen zu Gera Platz. Veranstaltet wurde der Erbrechtstag von Geraer Mitgliedern des Deutschen Forums für Erbrecht. Zu ihnen gehört auch Notarin Margita Oehler. OTZ sprach mit ihr nach dem Riesenzuspruch zur Veranstaltung.

Sind Sie zufrieden mit der Resonanz auf den 1. Geraer Erbrechtstag?

Wir waren überwältigt. Natürlich hatten wir gehofft, dass genug Leute kommen. Aber das Ergebnis hat uns umgeworfen. Es war ein wahrer Besucheransturm ... mit dem wirklich niemand gerechnet hat. Viele Bürger mussten in Ermangelung von Plätzen unverrichteter Dinge wieder gehen. Das hat uns von Herzen leid getan. Wir haben versucht, so viele Stühle wie möglich heranzuschaffen. Trotzdem hat der Platz nicht für alle gereicht.
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Warum gibt es keine Videoübertragung, fragten viele.

Darauf waren wir technisch einfach nicht vorbereitet.
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Denen, die gehen mussten, wurde eine zweite Auflage des 1. Geraer Erbrechtstages in Aussicht gestellt.

Stimmt. Wir haben uns in Absprache mit unseren Sponsoren spontan entschieden, die Veranstaltung zu wiederholen.
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Wann wird das sein?

In etwa sechs Wochen. Einen genauen Termin geben wir wieder über die OTZ bzw. über die Internet-Seite der Geraer Mitglieder des Deutschen Forums für Erbrecht (www.erbrechtstage-gera.de) bekannt.
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Wird der Inhalt des ersten Erbrechtstages in einer Broschüre zusammengefasst?

Nein. Aber wir werden das Fazit der Veranstaltung und ständig aktuelle Dinge zum Erbrecht auf unserer Internet-Seite zugänglich machen.
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Welche Fragen wurden am häufigsten gestellt?

Fragen zur Testamentsgestaltung - manche hatten sogar ihr handschriftliches Testament mit - zur Vorsorge- und Betreuungsvollmacht und zum Pflichtteilsanspruch.
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Wo lauern die Irrtümer in Sachen Erbrecht?

Erstens bei der Erbfolge in kinderlosen Ehen. Hier erbt anders als im DDR-Recht nicht der Partner allein, sondern auch die Familie des Verstorbenen. Zweitens beim Pflichtteilsanspruch. Nicht immer geraten beispielsweise die Kinder so, wie von den Eltern erhofft. Und drittens im Bereich der Unternehmensnachfolge.
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Können Sie bestätigen, dass nur etwa ein Drittel der Deutschen ein Testament besitzt?

Das wird stimmen. Auch ich stelle immer wieder fest, dass dort, wo es wichtig wäre, kein Testament vorhanden ist. Oft kommen die Mandanten zum Beispiel wegen eines Grundstücks-Kaufvertrages. Erst im Gespräch stellt sich heraus, dass über den Nachlass noch gar nicht nachgedacht wurde.
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Welche Probleme führen Bürger meist zum Notar?

Konsultationen in Erbrechtsfragen überwiegen eindeutig.
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Wieviele Notare gibt es in Gera, in Thüringen?

In Gera sind wir acht Kollegen, thüringenweit zirka 130.
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Was kostet eine Auskunft bei einem Notar?

Das hängt vom Beurkundungswert ab. Bei einem Wert von etwa DM 50.000 - Hausrat und Erspartes - entstehen entsprechend der Gebührenordnung DM 144 für die Errichtung eines Einzeltestaments. Ein Ehepaar zahlt das Doppelte.
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Wo liegt der Vorteil des notariellen Testaments?

Es ist im Todesfall gleichzeitig der Erbschein.
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Wird es nicht nur eine zweite Auflage des 1., sondern auch einen 2. Geraer Erbrechtstag geben?

Auf jeden Fall. Wir sind in den Veranstaltungskalender der Stadt Gera aufgenommen worden. Der Erbrechtstag hat somit in der Stadt einen festen Platz bekommen. Im April 2002 soll es dann um die Unternehmensnachfolge gehen.
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Gespräch: Heike Scheffel - Abgedruckt in der OTZ vom 27.04.2001