Ihre Fragen - Unsere Antworten aus dem Jahr 2006

1. Frage

Ich möchte meiner Tochter mein Wohngrundstück überschreiben. Mein Sohn hat nichts dagegen, da er selbst ein Haus besitzt. Wie kann ich absichern, daß nach meinem Tod keine Streitigkeiten auftreten?

Bei der Grundstücksüberschreibung sollte nicht nur die Tochter, sondern auch der Sohn mitwirken. So kann im notariellen Vertrag einvernehmlich festgelegt werden, welche Rechte dem Verschenkenden eingeräumt werden, z. B. Wohnungsrecht, ob sich die Tochter die Schenkung auf ihr Erb- und Pflichtteil anrechnen lassen muß, und ob sie an ihren Bruder eine Gegenleistung auszuzahlen hat und dieser gegebenenfalls einen Pflichtteilsverzicht erklärt. Diese „Familienbeurkundungen“ erhalten erfahrungsgemäß den „Familienfrieden“, und der Grundbesitz spielt bei der späteren Erbaufteilung keine Rolle mehr.
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2. Frage

Wir möchten unser Wohngrundstück unserem Sohn überschreiben. Wir haben aber Angst, daß sich unser Sohn vielleicht verschuldet (er ist Selbständiger) oder er verstirbt, und die Schwiegertochter bringt einen neuen Mann ins Haus. Kann für uns eine Sicherheit im Vertrag geregelt werden?

Daß sich Eltern ihr Wohnrecht auf Lebenszeit per Vertrag sichern, ist allgemein bekannt und wird regelmäßig gewünscht. Weniger bekannt ist die Aufnahme einer Rückübertragungsverpflichtung im Überlassungsvertrag, die den Erwerber verpflichtet, das Grundstück bei Eintritt bestimmter, im Vertrag vereinbarter Fälle zurückzugeben. Man könne sich also die Rückforderung im Falle des Ablebens des Sohnes vor seinen Eltern oder für den Fall dessen Insolvenz vorbehalten. Häufig wird sich auch vorbehalten, das Grundstück rückzufordern, falls der Erwerber ohne Zustimmung seiner Eltern (also der früheren Eigentümer) das Grundstück belastet oder veräußert.
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3. Frage

Meine Mutter hat mir eine Vorsorgevollmacht erteilt und ist jetzt an Alzheimer erkrankt. Ich bin auch ihr einziges Kind. Kann ich mit dieser Vollmacht das Grundstück auf mich überschreiben lassen?

Voraussetzung ist, daß die Vollmacht notariell beurkundet wurde und ein sogenanntes „In-sich-Geschäft“ (Befreiung von den Beschränkungen des § 181 BGB) gestattet ist. Unter diesen Voraussetzungen ist die Übertragung des Grundbesitzes auf sich selbst rechtlich möglich, ohne daß die Grundstückseigentümerin bei der Beurkundung mitwirken muß.
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4. Frage

Muß oder kann in einer Vorsorgevollmacht festgelegt werden, daß sie erst gilt, wenn die Geschäftsunfähigkeit des Vollmachtsgebers nachgewiesen ist?

Es ist zwar rechtlich möglich, die Wirksamkeit der Vollmacht vom Nachweis der Geschäftsunfähigkeit abhängig zu machen, z. B. durch Vorlage eines ärztlichen Attestes, dies bringt jedoch erhebliche Anwendungsprobleme mit sich. Diese aufschiebende Bedingung ist z. B. in den Formularen der Ärztekammer enthalten. Das bedeutet für die Praxis, daß die Vollmacht in diesem Fall nur mit einer aktuellen ärztlichen Bescheinigung verwendet werden kann. Eine derartige Regelung ist jedoch nicht zu empfehlen.
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5. Frage

Eine alleinstehende Rentnerin hat einer Bekannten eine Vorsorgevollmacht erteilt. Nun mußte sie aber feststellen, daß diese unberechtigterweise mehrfach Geld vom Konto abgehoben hat. Eine spezielle Bankvollmacht besitzt sie aber nicht.

Die Bevollmächtigte ist gegenüber der Vollmachtgeberin rechenschaftspflichtig und in diesem Fall auch schadensersatzpflichtig. Auch könnte dies strafrechtliche Folgen nach sich ziehen. Die Vollmachtgeberin sollte sofort die Vollmacht widerrufen, so daß auch die Ausfertigung der Vollmacht, die sich im Besitz der Vollmachtnehmerin befindet, eingezogen werden kann.
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6. Frage

Meine Tante will mir ein Grundstück per Testament zuwenden. Im Grundbuch sind aber noch zahlreiche Belastungen (Hypotheken) eingetragen, die laut Aussage meiner Tante jedoch zurückgezahlt sind, was jedoch nicht mehr zu beweisen ist. Könnte ich nach dem Tod meiner Tante die Erbschaft nur hinsichtlich des Grundstückes ausschlagen und lediglich das Barvermögen annehmen?

Die Erbschaft kann nur insgesamt angenommen oder ausgeschlagen werden. Es sollte daher über eine lebzeitige Übertragung des Grundstückes nachgedacht werden. Durch einen Grundstücksüberlassungsvertrag kann gleichzeitig die Klärung der Grundstücksbelastungen erfolgen. Die spätere Erbschaft ist dann von diesen unübersichtlichen Dingen befreit.
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7. Frage

Haben Stiefkinder auch ein Erbrecht?

Als Stiefkinder bezeichnet man in der Umgangssprache die in die Ehe mitgebrachten Kinder des Ehegatten. Gesetzlich erben Kinder nur nach ihren leiblichen Eltern, also nicht nach dem Stiefvater bzw. nach der Stiefmutter. Häufig bringt ein Ehegatte sein leibliches Kind mit in die Ehe und die Eheleute haben später noch gemeinsame Kinder. Es besteht häufig der Wunsch, daß alle Kinder gleichberechtigt erben sollen. Hierzu ist unbedingt ein Testament erforderlich.
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8. Frage

Die Eheleute bewohnen gemeinsam ein Haus. Es ist aber nur die Ehefrau als Eigentümerin im Grundbuch eingetragen. Erstreckt sich der Pflichtteilsanspruch der Kinder aus erster Ehe des Ehemannes auch auf das Haus?

Bei der Pflichtteilsberechnung wird der Nachlaß des Verstorbenen zugrunde gelegt. D. h., wenn er nicht Eigentümer des Grundbesitzes ist, wird der Grundbesitz auch nicht dem Nachlaß zugerechnet und damit auch nicht der Pflichtteilsberechnung zugrunde gelegt.
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9. Frage

Muß oder kann in einer Vorsorgevollmacht festgelegt werden, daß sie erst gilt, wenn die Geschäftsunfähigkeit des Vollmachtsgebers nachgewiesen ist?

Es ist zwar rechtlich möglich, die Wirksamkeit der Vollmacht vom Nachweis der Geschäftsunfähigkeit abhängig zu machen, z. B. durch Vorlage eines ärztlichen Attestes, dies bringt jedoch erhebliche Anwendungsprobleme mit sich. Diese aufschiebende Bedingung ist z. B. in den Formularen der Ärztekammer enthalten. Das bedeutet für die Praxis, daß die Vollmacht in diesem Fall nur mit einer aktuellen ärztlichen Bescheinigung verwendet werden kann. Eine derartige Regelung ist jedoch nicht zu empfehlen.
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10. Frage

Wir leben seit mehreren Jahren in Lebensgemeinschaft. Jeder von uns hat ein Kind, das in unserem gemeinsamen Haushalt lebt. Wie erben die jeweiligen Kinder, und haben unsere Eltern Anspruch auf unseren Nachlaß?

Gesetzlicher Erbe ist das jeweilige leibliche Kind. Erbansprüche bzw. Pflichtteilsansprüche der Eltern sind in diesem Fall ausgeschlossen. Sofern sich die Lebenspartner gegenseitig absichern wollen, muß jeder entweder ein Einzeltestament errichten oder die Lebenspartner errichten gemeinsam einen Erbvertrag, der aber beurkundungspflichtig ist.
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11. Frage

Unser Vater hat im Testament festgelegt, daß nur seine Kinder aus der zweiten Ehe Erben sind. Können wir dieses Testament anfechten?

Hier bedarf es keiner Testamentsanfechtung, da für die leiblichen Kinder, die durch Testament von der Erbschaft ausgeschlossen wurden, Anspruch auf Pflichtteil besteht. Dieser Anspruch ist gegenüber den testamentarischen Erben geltend zu machen.
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12. Frage

Haben notarielle Testamente, die beim damaligen Staatlichen Notariat errichtet wurden, noch Gültigkeit?

Diese Testamente sind selbstverständlich gültig. Man sollte sie aber trotzdem unter dem Gesichtspunkt noch einmal überprüfen, ob sie inhaltlich noch zutreffend sind. Nach wie vor findet man in diesen Testamenten die Festlegung, daß ein Kind das Grundstück und das andere Kind das Auto erhalten soll. Das ist darauf zurückzuführen, daß zum Zeitpunkt der Testamentserrichtung die Wertvorstellungen des Testierenden von anderen Voraussetzungen ausgingen. Dieses Testament sollte den heutigen Gegebenheiten unbedingt angepaßt werden.
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13. Frage

Kann oder muß man Vorsorgevollmachten hinterlegen, um sie im Bedarfsfall schnell aufzufinden?

Die beurkundete Vollmacht verbleibt in Urschrift beim Notar, für die Bevollmächtigten werden Ausfertigungen erteilt. Eine zusätzliche Registrierung im Vorsorgeregister der Bundesnotarkammer ist möglich, wenn der Vollmachtgeber befürchtet, daß der Bevollmächtigte von einer plötzlichen Erkrankung keine Kenntnis erlangt und demnach die Bevollmächtigung nicht einsetzen kann. Man sollte also die Familie unbedingt in Kenntnis setzen, wer bevollmächtigt ist und wo die Ausfertigungen zu Hause aufbewahrt sind. Auch ein Hinweis auf das Bestehen einer Vorsorgevollmacht in den Ausweispapieren, die man auch in einem Notfall gewöhnlich bei sich hat, kann sehr hilfreich sein. Häufig wird auch eine Kopie dem Hausarzt übergeben.
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14. Frage

Ich möchte meinen Nichten und Neffen meinen Nachlaß vermachen und einzelne Gegenstände meinen langjährigen Bekannten und den Nachbarn zuwenden. Ich habe keine Kinder und bin alleinstehend. Was ist zu tun, damit alles korrekt nach meinem Tod aufgeteilt wird?

In jedem Fall ist ein Testament erforderlich. Die Nichten und Neffen sind die Erben, und die weiteren Personen erhalten die Zuwendungen als Vermächtnisse. Damit nicht jeder Erbe mit der Nachlaßaufteilung gleichermaßen befaßt ist, sollte im Testament eine Testamentsvoll-streckung angeordnet und ein Testamentsvollstrecker eingesetzt werden. Er sorgt dafür, daß die Verfügungen des Erblasser in dessen Sinne ausgeführt werden.
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15. Frage

Wir sind drei Geschwister und stammen aus Ostpreußen. Unsere Schwester ist nicht verheiratet und hat keine Kinder. Da wir alle keine Geburtsurkunden besitzen, ist unsere Frage, ob dies beim Erbfall unserer Schwester ein Hindernis ist.

Die Personenstandsurkunden spielen beim Nachweis der Abstammung nach gesetzlicher Erbfolge eine große Rolle. Wer seine Abstammung durch Urkunde nicht nachweisen kann, hat im Erbfall schlechte Karten. Das trifft auf viele ehemalige Umsiedler und Vertriebene zu. Diese sollten in jedem Fall durch Testament ihre Erben bestimmen und es nicht auf die gesetzliche Erbfolge ankommen lassen. Im Erbfall bedarf es dann nicht mehr der Vorlage dieser Personenstandsurkunden.
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16. Frage

Ich habe zwei Kinder aus geschiedener Ehe. Mit meiner jetzigen Ehefrau besitze ich ein Wohngrundstück. Kann ich meine Kinder vorzeitig auszahlen, damit nach meinem Tod meine Ehefrau keine Forderungen der Kinder zu erwarten hat?

Den Kindern kann eine Abfindungszahlung angeboten werden. Im Gegenzug verzichten sie auf ihr Pflichtteil. Zur Wirksamkeit bedarf der Pflichtteilsverzichtsvertrag, der zwischen dem betroffenen Elternteil und den Kindern abzuschließen ist, in jedem Fall der notariellen Beurkundung.
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17. Frage

Wir haben zwei eheliche Kinder. Der Ehemann hat ein weiteres voreheliches Kind. Unsere Tochter hat auf unserem Grundstück ein Haus gebaut. Auf diesem Grundstück steht allerdings auch unser eigenes Haus. Könnte es Probleme bei der Erbschaft geben?

Die Tochter kann kein Eigentum am Haus begründen, wenn sie nicht auch Eigentümer vom Grundstück ist. Im Erbfall der Eheleute gehört der Grundbesitz mit allen darauf errichteten Baulichkeiten zum Nachlaß, so daß sich die Tochter mit der Erbengemeinschaft erst auseinandersetzen muß, um ihr Eigentum zu erhalten. Das sollte man unbedingt vermeiden, zumal auch die außereheliche Tochter des Ehemannes Erb- bzw. Pflichtteilsansprüche hat. Die Herausmessung des betroffenen Grundstücksteiles und Übertragung des Eigentums durch notariellen Vertrag zu Lebzeiten der Eltern ist unbedingt anzuraten.
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18. Frage

Ich bin von meinem Ehemann geschieden und habe für unsere minderjährige Tochter (4 Jahre) das alleinige Sorgerecht. Ich besitze eine Eigentumswohnung und ein größeres Barvermögen, das ich von meinen Eltern geerbt habe. Kann im Todesfall dem geschiedenen Ehemann irgend etwas zufallen?

Gesetzliche Erbin ist die minderjährige Tochter. Sollte sie allerdings noch im Kindesalter durch Unfall oder ähnliches ebenfalls versterben, geht das gesamte Vermögen, das sie von der Mutter geerbt hat, auf ihren leiblichen Vater über.

Anders liegt der Fall, wenn die minderjährige Tochter vor ihrer Mutter verstirbt. Dann fällt der Nachlaß, also die Eigentumswohnung und das Barvermögen, den gesetzlichen Erben der Mutter zu (Eltern oder Geschwister). Der geschiedene Ehemann gehört nicht dazu.

Der Fall, daß Eltern ihre Kinder beerben, ist gar nicht so selten. Da in jungen Jahren selten oder gar nicht vorgesorgt wird, kommt es dann meist zu einer ungewollten und unerwünschten Erbfolge, wenn der „uneheliche Vater“ oder der „geschiedene Vater“ Miterbe am Nachlaß seines Kindes wird.
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19. Frage

Wir sind eine seit 10 Jahren bestehende Erbengemeinschaft mit 5 Erben. 3 davon wollen alles klären, zwei verweigern sich. Wie kann man da noch vorgehen?

Im wesentlichen gibt es zwei Möglichkeiten zur Aufhebung einer Erbengemeinschaft, die ja eine Gesamthandsgemeinschaft darstellt.

Die 1. und in jedem Fall zu favorisierende Möglichkeit besteht im Abschluss eines sog. „Erbauseinandersetzungsvertrages“ zwischen allen Mitgliedern der Erbengemeinschaft. In diesem Erbauseinandersetzungsvertrag wird der gesamte Bestand des Aktivnachlasses einvernehmlich unter den Mitgliedern der Erbengemeinschaft entweder auf der Basis der gesetzlichen Erbfolge (bei Nichtvorliegen eines Testamentes) oder aber aufgrund testamentarisch festgelegter Erbfolge aufgeteilt und verteilt und damit die Erbengemeinschaft beendet. Zu beachten ist dabei, dass die Erbauseinandersetzung im Wege eines Erbauseinandersetzungsvertrages hinsichtlich Grundstücken, die zum Nachlass gehören, prinzipiell der notariellen Beurkundung, d.h. des Abschlusses eines notariellen Erbausein- andersetzungsvertrages bedarf.

Kommt es nicht zum Abschluss eines Erbauseinandersetzungsvertrages besteht für jedes Mitglied der Erbengemeinschaft die Möglichkeit, die Gesamthandsgemeinschaft durch Versteigerung der Erbmasse zum Zwecke der Auflösung der Erbengemeinschaft zu beenden.Dies ist aber i.d.R. ein kostenaufwendiger und langwieriger Weg; die Erbmasse wird in jedem Fall dadurch geschmälert.
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20. Frage

Wird bei Antritt einer Erbschaft, bestehend aus Immobilien und Barvermögen, bei Abzug des Freibetrages die Erbschaftssteuer erhoben oder wird die Erbschaftssteuer beim Verkauf eines Hauses fällig?

Im Erbfall fällt nach Abzug der Freibeträge und der Nachlassverbindlichkeiten grundsätzlich Erbschaftssteuer an. Damit geht ein Teil Ihres Nachlasses an den Staat. Eine Ausnahme von diesem Grundsatz besteht darin, dass der Nachlass ganz oder teilweise einer gemeinnützigen Organisation zur Verfügung gestellt wird. Diese gemeinnützigen Organisationen sind von der Erbschaftssteuer befreit, so dass Ihr Vermögen ohne Abzug erhalten bleibt.

Je nach Verwandtschaftsgrad gelten für die Erben verschiedene Steuerklassen. Nach diesen Steuerklassen richten sich die Höhe der Freibeträge und die Steuersätze. Neben dem allgemeinen Freibetrag ist auch der sog. Versorgungsfreibetrag steuerfrei. Er dient dazu, den Lebensunterhalt des überlebenden Ehepartners, der Kinder und Enkel abzusichern.
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21. Frage

Kann man bei einer Erbengemeinschaft die Verwaltung des Erbes als ein Erbe aus Vertrauensgründen treuhänderisch bewirken?

Insoweit der Erblasser keine Testamentsvollstreckung angeordnet hat und damit ein Testamentsvollstrecker den Willen des Erblassers umsetzt, ist in einer bestehenden Erbengemeinschaft eine Verwaltung durch die Mitglieder der Erbengemeinschaft oder durch einen außenstehenden Dritten dann möglich, wenn alle Erben – also die gesamten Erbengemeinschaft – dies vertraglich so vereinbaren.
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22. Frage

Welche Verwandtschaft ist in welche Steuerklasse eingeordnet und wie hoch sind die Steuersätze und Freibeträge?

In der günstigsten Steuerklasse I werden Ehegatten, Kinder, Enkel, Urenkel, Eltern und Großeltern eingeordnet. Geschwister, Neffen, Nichten, Schwiegerkinder, Schwiegereltern und geschiedene Ehegatten unterliegen der Steuerklasse II. Alle anderen gesetzlichen bzw. testamentarischen Erben wie z.B. Lebensgefährte oder Verlobte unterliegen der Steuerklasse III.

In der Steuerklasse I sind auf ein steuerpflichtiges Vermögen von 52.000,00 € nach Abzug der Freibeträge 7 % Erbschafts- bzw. Schenkungssteuer zu zahlen. Bei einem steuerpflichtigen Vermögen bis 256.000,00 € nach Abzug der Freibeträge beträgt die Erbschafts- bzw. Schenkungssteuer 11 %. Diese Steuerprogression setzt sich bis maximal 30 % für ein Vermögen über 25.565.000,00 € nach Abzug der Freibeträge fort.

In der Steuerklasse II sind 12 % und in der Steuerklasse III 17 % Erbschafts- bzw. Schenkungssteuer für ein Vermögen bis zu 52.000,00 € nach Abzug der Freibeträge zu entrichten. Bis zu einem Betrag von 256.000,00 € betragen in den Steuerklassen II und III die Erbschafts- bzw. Schenkungssteuer 17 und 23 %.

In der Steuerklasse III ist über ein Vermögen von 25.565.000,00 € 50 % Steuer zu entrichten. Die Freibeträge bei Erbschaft und Schenkung belaufen sich für Personen der Steuerklasse I für den Ehegatten auf einen persönlichen Freibetrag von 307.000,00 € zzgl. eines Versorgungsfreibetrages von 256.000,00 €, dazu 41.000,00 € für Hausrat, Kleidung etc. und noch einmal 10.300,00 € für Kunstgegenstände. Kinder haben einen persönlichen Freibetrag von 205.000,00 €, einen Versorgungsfreibetrag zwischen 10.300,00 und 52.000,00 €, bei Hausrat und Kunstgegenständen sind die Freibeträge analog dem Ehegatten.

Die übrigen Personen der Steuerklasse I haben einen persönlichen Freibetrag von 51.200,00 € zzgl. 41.000,00 € für Hausrat und 10.300,00 € für Kunstgegenstände. Für Personen der Steuerklasse II gilt ein genereller persönlicher Freibetrag von 10.300,00 € zzgl. 10.300,00 € für Hausrat und noch einmal 10.300,00 € für Kunstgegenstände. Personen der Steuerklasse III haben 5.200,00 € persönlichen Freibetrag zzgl. Hausrat 10.300,00 € und ebenfalls 10.300,00 € für Kunstgegenstände.
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23. Frage

Die 10-Jahres-Frist gilt ab Kenntnisnahme der Erbschaft?

Die 10-Jahres-Frist des § 2325 Abs. 3 BGB gilt grundsätzlich ab Eintritt des Erbfalls.
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24. Frage

Gilt bei der 3-Jahres-Frist die schriftliche Auskunftspflicht oder nur die Klage bezüglich Pflichtteilsergänzungsanspruches?

Der Pflichtteilergänzungsanspruch verjährt in drei Jahren von dem Zeitpunkt an, in welchem der Pflichtteilsberechtigte von dem Eintritt des Erbfalls und von der ihn beeinträchtigenden Verfügung Kenntnis erlangt, ohne Rücksicht auf diese Kenntnis in 30 Jahren von dem Eintritt des Erbfalls an. Die Verjährung wird nicht dadurch gehemmt, dass die Ansprüche erst nach der Ausschlagung der Erbschaft oder eines Vermächtnisses geltend gemacht werden können.
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25. Frage

Wenn Konten auf beide Namen laufen, benötige ich da eine Vorsorgevollmacht zwecks Benutzung der Konten z.B. bei Demenz o.ä.?

Zunächst muss unterschieden werden, ob beide (Ehe-) Partner Kontoinhaber oder der eine Kontoinhaber und der andere nur Verfügungsberechtigter ist. Wenn beide (Ehe-) Partner Kontoinhaber sind, ist eine Vorsorgevollmacht zur „Benutzung“ des Kontos nicht erforderlich, da jeder Miteigentümer eines gemeinsamen Kontos uneingeschränkt über das gesamte Konto verfügungsbefugt ist. Lediglich das Schließen des Kontos bedarf einer übereinstimmenden Erklärung beider Kontoinhaber. Auch als „lediglich“ Verfügungsberechtigter über das Konto können Sie selbstverständlich das Konto benutzen. Lediglich wenn über den Bestand des Kontos als ganzes verfügt werden soll, muss eine Vollmacht des Kontoinhabers vorliegen.
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26. Frage

Ist meine ehemalige Schwiegertochter (wieder verheiratet) – Frau meines verstorbenen Sohnes – pflichtteilsberechtigt nach mir?

Die Existiert kein Testament, bestimmt das Gesetz, wer erbt. In der gesetzlichen Erbfolge werden in 1. Ordnung zunächst Ehepartner und leibliche Kinder oder deren Nachkommen berücksichtigt. Schwiegerkinder zählen grundsätzlich nicht dazu. In 2. Linie berücksichtigt die gesetzliche Erbfolge Eltern, Geschwister und deren Kinder. Ihre nächsten Angehörigen haben immer Anspruch auf einen Pflichtteil. D.h., ihnen steht die Hälfte des gesetzlichen Erbteils zu.
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27. Frage

In welcher Form hat ein Testament rechtliche Grundlage (kann es handschriftlich zu Hause – z.B. im Tresor – aufbewahrt werden oder muss es notariell beglaubigt sein)?

Die Errichtung eines eigenhändigen Testamentes ist jederzeit und an jedem Ort möglich und kostet Sie nichts. Unbedingte Voraussetzung für die Wirksamkeit eines Testamentes ist, dass es in seinem ganzen Umfang von Ihnen persönlich handschriftlich geschrieben und mit Vor- und Familiennamen unterschrieben ist.

Der Aufbewahrungsort eines solchen handschriftlichen Testamentes ist dabei unerheblich; Sie sollten aber bedenken, dass es bei Eintritt des Erbfalls auch von den Berechtigten aufgefunden und zur Eröffnung dem zuständigen Nachlassgericht vorgelegt werden kann. Ein gemeinsames Testament von Eheleuten muss von beiden unterschrieben werden. Darüber hinaus sollen im Testament Ort und Datum der Niederschrift angegeben werden. Keinesfalls sollten Sie ein privatschriftliches Testament in einem Bankschließfach oder an einem ähnlich „sicheren“ Ort aufbewahren, da ein Auffinden bei Eintritt des Erbfalles insoweit ungewiss ist.

Eine Möglichkeit besteht darin, dieses handschriftliche Testament in amtliche Verwahrung beim zuständigen Nachlassgericht zu geben. Für die Errichtung eines öffentlichen Testamentes müssen Sie einen Notar aufsuchen. Dieser nimmt entsprechend Ihren Wünschen eine Niederschrift über den letzten Willen auf. Sie können dann entscheiden, ob dieses Testament lediglich in notarieller Verwahrung oder in amtliche Verwahrung beim zuständigen Nachlassgericht gegeben wird. Bei dem öffentlichen Testament, d.h. notariellen Testament, können Sie sicher sein, dass Ihr letzter Wille nach Ihrem Tod auch aufgefunden und dem zuständigen Nachlassgericht zugeleitet wird.
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