Ihre Fragen - Unsere Antworten aus dem Jahr 2005

1. Frage

Meine Tochter ist noch nicht volljährig und hat Geld sowie Grundbesitz von ihrer Oma geerbt. Sollte ihr jetzt etwas passieren (z. B. Verkehrsunfall), wer erbt dann ihr Vermögen? Sie will nicht, daß ihr Vater, mein geschiedener Mann, von ihr etwa erbt, da er nie Unterhalt gezahlt hat.

Die Tochter kann bereits mit Vollendung des 16. Lebensjahres ein notarielles Testament errichten, ein privatschriftliches Testament ist erst mit Volljährigkeit möglich. Per Testament könnte sie die Mutter zum Erben bestimmen und gleichzeitig dem Vater den Pflichtteil entziehen.
Zum Anfang der Seite

2. Frage

Meine Eltern sind geschieden, ich habe noch Geschwister, aber selbst noch keine Kinder, und lebe mit meiner Freundin zusammen. Kann ich diese als Alleinerbin einsetzen oder muß ich auch die Eltern und Geschwister bedenken?

Gesetzliche Erben sind die leiblichen Eltern, auch wenn sie geschieden sind, sowie die Geschwister, falls ein oder beide Elternteile zum Zeitpunkt des Erbfalles nicht mehr leben. Die Freundin bzw. Lebensgefährtin kann nur durch ein Testament zur Alleinerbin bestimmt werden. Die Eltern haben jedoch in jedem Falle einen Pflichtteilsanspruch.
Zum Anfang der Seite

3. Frage

Ich möchte meine zweite Ehefrau absichern, daß meine Kinder aus der ersten Ehe keinen Pflichtteilsanspruch geltend machen können, und biete ihnen eine Abfindung an. Was muß ich dabei beachten?

Man muß sich mit den Kindern über die Höhe des Abfindungsbetrages einigen und einen Pflichtteilsverzichtsvertrag abschließen. Dieser ist beurkundungspflichtig, d.h., es muß unbedingt ein Notar aufgesucht werden, ansonsten ist der Pflichtteilsverzicht nicht wirksam.
Zum Anfang der Seite

4. Frage

Wir sind beide in zweiter Ehe verheiratet und haben keine Kinder, aber ein Wohngrundstück. Muß für den Erbfall überhaupt etwas geregelt werden?

Unbedingt. Gesetzlicher Erbe ist, wenn keine Kinder vorhanden sind, nämlich nicht nur der Ehegatte, wie oft irrtümlich angenommen, sondern daneben sind es auch die Eltern oder Geschwister des Verstorbenen. Es würde eine nicht unbedingt gewünschte Erbengemeinschaft entstehen. Alle Erben sind dann auch Miteigentümer am Grundbesitz und können die Aufhebung der Erbengemeinschaft verlangen. Wenn der überlebende Ehegatte den Grundbesitz behalten will, muß er die Miterben auszahlen und somit die entsprechenden finanziellen Mittel aufbringen. Bei Nichteinigung der Erben kann es auch zur Teilungsversteigerung kommen.
Zum Anfang der Seite

5. Frage

Ich bin im Juni 1949 unehelich geboren. Aus der späteren Ehe meiner Mutter gingen noch zwei Kinder hervor. Bin ich erbberechtigt?

Nach der Mutter hat ein Kind grundsätzlich ein Erbrecht, unabhängig davon, ob es ehelich oder nichtehelich geboren wurde. Nach dem jetzigen Ehemann der Mutter besteht für das Kind kein Erbrecht, da es nicht von ihm abstammt. Anders gilt die Regelung für das Erbrecht nach dem leiblichen Vater (sofern eine Vaterschaftsanerkennung vorliegt): Ein vor dem 01.07.1949 nichtehelich geborenes Kind beerbt seinen Vater nicht. Die Ausnahme davon ist: Der Erblasser hatte am 02.10.1990 seinen gewöhnlichen Aufenthalt in den Neubundesländern, dann ist das Kind dem ehelichen Kind gleichgestellt.
Zum Anfang der Seite

6. Frage

Wir wollen eine Erbengemeinschaft am Grundbesitz vermeiden und zu Lebzeiten unser Haus auf eines unserer Kinder überschreiben. Wie hoch muß dann die Abfindung für die anderen Kinder sein, und was ist noch zu beachten?

Im Überlassungsvertrag, der bei einem Notar abzuschließen ist, ist zu regeln, ob der Erwerber des Grundstückes Gegenleistungen, z. B. Pflegeverpflichtung gegenüber den Eltern, Auszahlung von den Geschwistern u. ä., zu erbringen hat. In diesem Fall ist der Auszahlungsbetrag an die sogenannten „weichenden Erben“ zwischen den Vertragsbeteiligten frei zu vereinbaren. Anhaltspunkt für die Höhe des Auszahlungsbetrages könnte der Pflichtteilsbetrag sein.
Zum Anfang der Seite

7. Frage

Ich bin 35 Jahre alt, kinderlos und lebe mit meinem Lebensgefährten seit mehreren Jahren in meinem Grundstück. Er hat finanziell und durch eigene Arbeitsleistung an der Modernisierung des Gebäudes Anteil. Wie kann ich meinen Lebensgefährten absichern? Muß ich auch etwas bei der Bank regeln, falls ich durch Unfall oder Krankheit längere Zeit nicht handlungsunfähig bin?

Hinsichtlich der Regelung des Nachlasses steht es frei, ein Einzeltestament oder gemeinsam mit dem Partner einen Erbvertrag zu errichten. Eine Bankvollmacht kann jederzeit erteilt werden, hier müßte die Hausbank daraufhin angesprochen werden. Wichtig wäre aber auch eine Vorsorgevollmacht für eine umfassende Vertretung im Falle der Geschäftsunfähigkeit, die sich auch auf die Gesundheitsfürsorge erstreckt.
Zum Anfang der Seite